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Friedrich Ebert Stiftung

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Ursprung und Ziele der FES

Die Friedrich- Ebert- Stiftung (FES) wurde 1925 als politisches Vermächtnis des ersten demokratisch gewählten deutschen Reichspräsidenten Friedrich Ebert gegründet.

Der Sozialdemokrat Friedrich Ebert - vom einfachen Handwerker in das höchste Staatsamt aufgestiegen - regte vor dem Hintergrund eigener Erfahrungen in der politischen Auseinandersetzung die Gründung einer Stiftung mit folgenden Zielen an:

  • die politische und gesellschaftliche Bildung von Menschen aus allen Lebensbereichen im Geiste von Demokratie und Pluralismus zu fördern,
  • zur internationalen Verständigung und Zusammenarbeit beizutragen.

Die Friedrich-Ebert-Stiftung, von den Nationalsozialisten 1933 verboten und 1947 wiederbegründet, verfolgt mit ihren umfangreichen Aktivitäten diese Ziele bis heute.

Als eine gemeinnützige, private und kulturelle Institution ist sie den Ideen und Grundwerten der sozialen Demokratie verpflichtet.

Aktuelle zentrale Themenfelder der FES-Arbeit sind:

  • Gerechte Gesellschaft
  • Innovation und Fortschritt
  • Aktive Demokratie 

Die Arbeit der Friedrich-Ebert-Stiftung in Israel:

Dem Friedrich-Ebert-Stiftung Büro in Israel kommt unter den insgesamt 70 Niederlassungen der Stiftung weltweit eine besonders wichtige Stellung zu. Das Vermächtnis der Shoah fordert vornehmlich Deutsche auf, die vom deutschen Volk besonders an den europäischen Juden begangenen Verbrechen immer wieder intensiv zu studieren und zu debattieren, damit dieses dunkle Kapitel der Geschichte nie vergessen wird. Darüber hinaus gilt es, den durch die schwierige Vergangenheit geprägten Austausch und Dialog zwischen der deutschen und der israelischen Gesellschaft auf verschiedenen Ebenen zu fördern. Die Friedrich-Ebert-Stiftung leistet seit über 30 Jahren Beiträge zur Kooperation der Zivilgesellschaften beider Länder.
Die Aktivitäten in diesem Bereich beinhalten: 

  • Förderung von Austausch und Dialog zwischen israelischen und deutschen Meinungsträgern, insbesondere israelischen Knesset-Abgeordneten und deutschen Parlamentariern;
  • Erstellung politischer Analysen zu aktuellen Themen für deutsche und israelische Entscheidungsträger;
  • Organisation von Seminaren und öffentlichen Veranstaltungen über Deutschland in Israel und Israel in Deutschland;
  • Unterstützung von Austauschprogrammen, vor allem für junge Menschen, den Entscheidungsträgern von morgen. 

 

30 Jahre Friedrich-Ebert-Stiftung Israel: Und Theodor Herzl ist immer dabei...

 Zusammenfassung der 30-jährigen Tätigkeit des FES Büros Israel.

Für das FES-Büro Israel hat das Jahr 2008 zwei Jubiläen gebracht, die beide Anlass zum Innehalten und Bilanzziehen waren. Der Staat Israel feierte den 60. Jahrestag seiner Gründung und das Büro der FES beging sein 30jähriges Bestehen.

Die FES hat den Geburtstag Israels mit einer Reihe von Veranstaltungen in beiden Ländern begleitet. Dabei ist erneut deutlich geworden, dass für unsere Arbeit als politische Stiftung in besonderem Maße gilt, was Johannes Rau im Jahr 2000 in seiner beeindruckenden Rede vor der Knesset folgendermaßen formulierte: "Oft wird gefragt, ob es für Deutsche und Israelis angesichts der Vergangenheit Normalität geben kann. So undifferenziert gestellt, kann ich diese Frage nur mit "nein" beantworten. Das Verhältnis zwischen unseren Ländern wird für immer ein besonderes sein. Im Wissen um das Geschehene halten wir die Erinnerung wach. Mit den Lehren aus der Vergangenheit gestalten wir gemeinsame Zukunft. Das ist deutsch-israelische Normalität".
 
Als die FES 1978 als erste deutsche politische Stiftung ein Büro in Tel Aviv eröffnete, waren die Reaktion in der israelischen Öffentlichkeit sehr kontrovers. Aufgrund der furchtbaren Erfahrungen des jüdischen Volkes mit den Deutschen lehnten viele gesellschaftlichen und politischen Kräfte deutsches Engagement in ihrem Land grundsätzlich ab. Infolgedessen agierten die Mitarbeiter der ersten Stunde teilweise anonym und stets diskret. Es gab kein Büroschild, das auf die Existenz des FES-Büros hinwies, auf Öffentlichkeitsarbeit wurde weitgehend verzichtet. Die Arbeit selbst beschränkte sich weitgehend auf die Kooperation mit der Arbeitspartei und mit dem Gewerkschaftsdachverband Histadrut.
 
Im Jahre 2008 hat sich das Bild deutlich gewandelt. Die Arbeit der Stiftung ist längst nicht mehr auf den deutsch-israelischen Dialog beschränkt, sondern befasst sich heute mit einem breiten Spektrum von Themen. Neben den deutsch-israelischen Bezeihungen ist die Begleitung des Friedensdialogs zwischen Israel und seinen arabischen Nachbarn ein wichtiger Arbeitsbereich geworden. Mit ihrem regionalen Netzwerk und ihren vielfältigen Kontakten kann die FES unter schwierigen politischen Rahmenbedingungen eine Mittlerrolle im Friendensprozess spielen. Ein weiterer Schwerpunkt der Arbeit ist die Stärkung und Weiterentwicklung israelisch-europäischer Allianzen. Israel und die EU verbindet ein dichtes Netz von Kooperationsbeziehungen. Zugleich sind diese Beziehungen nicht frei von Spannungen und gegenseitigen Vorbehalten. Dem versucht die FES durch den Aufbau von Beratungsnetzwerken entgegenzuwirken und einen Beitrag zur Vertiefung der europäisch-israelischen Zusammenarbeit zu leisten. Aber auch in Israel selbst ist die Stiftung mit Projekten aktiv. Eine Arbeitslinie in diesem Bereich ist die Stärkung der israelischen Zivilgesellschaft. Ein wichtiger Partner sind hier Organisationen der palästinensisch-arabischen Minderheit, die inzwischen bereits mehr als 20% der 7,3 Mio. Einwohner des Landes umfasst. Auch mit Vertretern der großen Gruppe der jüdischen Immigranten aus der ehemaligen Sowjetunion arbeitet die FES zusammen. Eine zweite Arbeitslinie innerhalb Israels ist die Förderung des sozialen Dialogs. Wichtigster Partner in diesem Bereich ist die Histadrut, aber auch mit dem israelischen Arbeitgeberverband und mit Arbeitsgerichten gibt es gemeinsame Maßnahmen.
 
 Trotz der inzwischen vertrauensvollen und verlässlichen Kooperationen mit einem sehr breiten Spektrum von Partnern aus Politik, Wirtschaft, Zivilgesellschaft, Medien und Forschung ist in der Arbeit nach wie vor ein hohes Maß an Sensibilität und Fingerspitzengefühl notwendig. Noch immer gibt es gesellschaftliche Gruppen und politische Kräfte, die meinen, dass gerade eine deutsche Organisation sich nicht in die inneren Angelegenheiten des jüdischen Staates "einmischen" sollte. Im Gefolge dessen ist die Arbeit der FES in manchen Bereichen weiterhin eine diplomatische Gratwanderung.
 
Auf der Fahrt in das FES-Büro in Herzliya, eine Stadt etwa 10 km nördlich von Tel Aviv, passieren wir FESler - sechs feste MitarbeiterInnen und stets zwei bis drei PraktikantInnen - aber auch unsere Partner und Gäste stets die überdimensionale Statue von Theodor Herzl, dem geistigen Gründungsvater Israels. Unbeeindruckt vom obligatorischen Verkehrschaos grüßt er gleichmütig von einer kleinen Anhöhe herunter und ist zugleich immer present. Herzliya, einst eine ruhige Stadt vor den Toren Tel Avis, ist heute das Herz der überaus dynamischen und innovativen israelischen High-Tech-Industrie.
 
An diesem Tag findet im Konferenzraum der FES eine Diskussionsrunde zwischen VertreterInnen der Deutsch-Israelischen und der Schweizerisch-Israelischen Gesellschaft sowie jungen Israelis statt. Das Thema lautet „Israel seen from a Youth Perspective“. Es sollen Themen wie die Sicht der jungen Israelis auf den israelisch-palästinensischen Konflikt, ihre Vorstellungen von der Zukunft des Landes und ihre Wahrnehmung der deutsch-israelischen Beziehungen diskutiert werden.
 
Vor allem zum letzten Thema entwickelt sich eine intensive und für alle Seiten sehr emotionale Diskussion, die deutlich macht, welche Sensibilität und Differenziertheit der Umgang mit dem Thema Shoa erfordert. Nach den Assoziationen, die sie mit Deutschland verbinden gefragt, geben die israelischen Jugendlichen, als Vertreter der "Dritten Generation", übereinstimmend an, dass für sie das historische Erbe eindeutig im Vordergrund steht. So löst das Hören der deutschen Sprache ebenso starke Reaktionen aus, wie Begegnungen mit älteren Deutschen, denn im Hinterkopf schwingt immer die Frage mit: "Was hat dieser Mensch im Zweiten Weltkrieg gemacht? War er vielleicht an der Ermordung von Juden beteiligt?"
 
Gleichzeitig berichten sie aber von den positiven Erlebnissen während ihrer Besuche im heutigen Deutschland und wie sehr sich ihre Einstellung zu den Deutschen geändert hat. Dieser Wandel von früher dominierenden Stereotypen und Vorurteilen hin zu einem echten Interesse an Deutschland und seinen Menschen - und sei es auch nur der Wunsch ins besonders angesagte Berlin zu reisen - zeigt, wie wichtig eine Fortsetzung und Intensivierung des deutsch-israelischen Dialogs ist. Denn nur so kann ein besseres gegenseitiges Kennenlernen und Verstehen ermöglicht werden.
 
Die Beziehung zu Deutschland können heute als freundschaftlich definiert werden, erklärt eine Teilnehmerin, allerdings werde es sich auch in Zukunft immer um eine „besondere Freundschaft“ handeln, denn die deutsche Verantwortung für eines der größten Verbrechen der Menschheit werde nie enden. Ein anderer Jugendlicher gibt an, dass er es kritisch sehe, wie das Thema Holocaust manchmal durch die Politik für eigene Ziele missbraucht würde.
 
Trotz der nicht immer einfachen inneren und äußeren Rahmenbedingungen lässt sich anlässlich des 30jährigen Bestehens der Friedrich-Ebert-Stiftung in Israel durchaus eine positive Bilanz ziehen. Die Stiftung agiert offen und auf sehr verschiedenen sozialen, politischen und gesellschaftlichen Ebenen, kooperiert dabei mit nationalen und internationalen Partnern. Sie ist ein geschätzter und gern gesehener Gast und Gastgeber, wenn es darum geht, gemeinsam Lösungen für die vielfältigen Probleme Israels zu suchen und zu finden.